
Frühling liegt in der Luft
Wenn ich in diesen Tagen durch Wiesen und Wälder streife, wird mir einmal mehr bewusst, in welch schönem Land wir leben. Blumen blühen, die Bäume treiben aus und die Vögel zwitschern munter ihr Lied. Der Duft des Flieders gehört genauso dazu wie der Löwenzahn, der uns unsere eigene Vergänglichkeit vor Augen führt. Alles scheint im Aufbruch zu sein – voller Hoffnung, voller Verheißung, voller Zuversicht.
Es ist ein Geschenk – uns für kurze Zeit anvertraut und in die Hände gelegt mit dem Auftrag, die Schöpfung verantwortungsbewusst und liebevoll für kommende Generationen zu erhalten.
Grund und Boden sind kostbare Güter, Frieden und Freiheit unbeschreibliche Errungenschaften, die es nicht nur zu bewahren, sondern aktiv zu gestalten gilt.
Wenn ich so durch die Natur spaziere, kommen mir viele Gedanken und auch Menschen wie Victoria und Joseph in den Sinn. Zwei Kinder, die vor acht Jahren aus Nigeria geflohen sind und hier Schutz gesucht haben. Ohne ihre Eltern sind sie in der Fremde zu selbstständigen jungen Erwachsenen herangereift, haben unsere Sprache gelernt, Freundschaften geschlossen und sich voll integriert. Sie strahlen Zuversicht, Mut und Dankbarkeit aus und lehren uns Menschlichkeit.
Wer gibt uns das Recht, Perspektiven auszulöschen, Hoffnungen zu zerstören? Der Frühling als Symbol des Neubeginns mahnt uns, politische und gesellschaftliche Entwicklungen immer wieder neu zu bewerten. Denn ohne Menschlichkeit verliert jedes Recht seine Legitimation.
fabian.bucher98@gmail.com