Die Debatte um die Großen Beutegreifer ist längst schon nicht mehr nur ein bäuerliches Thema, sondern beschäftigt inzwischen die breite Bevölkerung. Die Ausbreitung von Wolf, Bär und Luchs im Alpenraum ist eine immer größer werdende Gefahr für die Berglandwirtschaft. Almen werden nicht mehr bewirtschaftet und Tiere sind heuer auch in den heißen Sommermonaten im Tal geblieben. Die Medien in Tirol, Süditirol und Trentino berichten tagtäglich über Wolfsrisse. Die Zahlen erhöhen sich dabei rasant: zum einen fallen immer mehr Schafe und Ziegen den Raubtieren zum Opfer und zum anderen sind zunehmend auch Übergriffe auf Rinder und Pferde zu verzeichnen. In Trentino werden die Gesellschaft und die Landwirtschaft vor allem durch die hohe Anzahl an Bären geplagt.
Gemeinsamer Managementplan für den gesamten Alpenraum
„Wir hegen und pflegen unsere Tiere nicht das ganze Jahr, damit wir sie dann im Sommer Wolf und Bär auf dem Silberteller zum Fraß vorwerfen", so Dominik Traxl, Landesobmann der TJB/LJ.
Die Jungbauern aus Tirol, Südtirol und Trentino sind sich einig: Große Beutegreifer kennen keine Grenzen, die Gesetze dürfen diese auch nicht kennen! Der gesamte Alpenraum muss zusammenstehen und gemeinsam handeln. „In Österreich gibt es bereits Problemwölfe, die zum Abschuss freigegeben wurden, aber was passiert, wenn diese die Grenze überschreiten? In Italien sind es zwar immer noch Problemwölfe, dürfen aber nicht geschossen werden", erklärt Bettina Hechenberger, Landesleiterin der Tiroler Jungbauernschaft/Landjugend, die sich vehement für ein grenzübergreifendes Wolfsmonitoring und -management einsetzt.
Die Jungbauern fordern eine Erfassung der genauen Anzahl an Wölfen im Alpenraum, die in einer gemeinsamen Datenbank erfasst werden, denn das Problem ist grenzüberschreitend. Dabei soll vor allem die Transparenz bei der Meldung der Anzahl an Wölfen in der EU eine große Rolle spielen. Durch eine gemeinsame Zählung soll der Schutzfaktor der Großen Beutegreifer endlich gesenkt werden.
Wollen wir enormes Tierleid zulassen?
„Wenn die Tiere nicht mehr auf die Almen getrieben und infolgedessen diese nicht mehr bewirtschaftet werden geht die Biodiversität verloren. Einen Erholungsraum, wie wir ihn derzeit kennen, wird es in Zukunft nicht mehr geben, dies wäre fatal für den Tourismus in unseren schönen Berggebieten", argumentierte Landesobmann der Südtiroler Bauernjugend Raffael Peer. „Ganz zu schweigen davon, dass der Almauftrieb und die gepflegte Kulturlandschaft zu unserer Heimat gehört. Viele Touristen kommen vor allem deswegen.", ergänzte Alessio Chistè von der Agia Trentino.
Die Landwirtschaft und der Tourismus arbeiten in allen drei Ländern eng als Partner zusammen: Die Bauern pflegen die Landschaft und der Gast kann sich daran erfreuen und die Alm als Erholungsraum nutzen. Deshalb sind auch Herdenschutzhunde in Zusammenarbeit mit dem Tourismus unmöglich einzusetzen. Diese werden nämlich darauf hin trainiert die Herde zu beschützen, wenn ein Wanderer durch die Weide geht, greifen sie auch diesen an, die rechtlichen Folgen für den Besitzer des Hundes sind zu hoch, um das Risiko einzugehen.
I BIN MEHRWERT
Ist das Motto des diesjährigen Jahresprojektes der Tiroler Jungbauernschaft/Landjugend. Die TJB/LJ macht auf den Mehrwert unserer heimischen Nutztiere aufmerksam. Dabei möchte man die Bevölkerung in Bezug auf Tierwohl, Kulinarik, Kulturlandschaft und Klimaschutz sensibilisieren. Wissenswerte Inputs des Projektes findet ihr auf der Instagram-Seite @ibinmehrwert_tjblj. Gemeinsam stellen die Jungbauern aus der Euregio klar: „Unsere Nutztiere sind Mehrwert als Wolf, Bär und Co!
Am Ende des Abends sind die Jungbauern sich einig: Die heimische Alm- und Berglandwirtschaft ist durch das Eindringen von Wolf und Bär in den intensiv genutzten Alpenraum ernsthaft gefährdet. Raubtiere wie große Beutegreifer haben hier keinen Platz. Es braucht rasch effiziente gesetzliche Grundlagen, die den Abschuss von Problem- und Schadtieren ermöglichen und die reflexartige Beeinspruchung von selbsternannten Tierschützern diverser NGOs nicht mehr zulassen. Hier fordern die Jungbauern, dass Möglichkeiten zur Entnahme ausgeschöpft werden.

Foto: Die Jungbauern aus dem Alpenraum sind in Südtirol zusammengekommen:
v.l.: Notburga Heim, Anna Schenk, Alessio Chistè, Alessandro Stimpfl, Bettina Hechenberger, Dominik Traxl, Raffael Peer, Luca Marconcini, Angelika Springeth